a 21 pensionierung langabschied einer legende

 

Was sich die meisten Kolleg*innen und wahrscheinlich auch viele Schüler*innen nie so richtig vorstellen konnten, ist am 30. November 2021 Realität geworden: Unser Erziehungsleiter, Mag. Werner Lang, ist nach 22 Jahren in dieser Funktion in den wohlverdienten Ruhestand getreten.

Kollege Lang, der vor seiner Karriere als Internatsleiter schon als Lehrer und Erzieher an der HIB Liebenau tätig war, war in den vergangenen Jahrzehnten ein fixer Bestandteil des Schul- und Internatslebens. Wer erinnert sich nicht daran, wie er Heerscharen von Kindern vor oder im Speissaal in Schach zu halten versuchte, wie er täglich Hunderte von Schüler*innen nach ihren elektronischen Essenschips fragte und sie gegebenenfalls Zettel für die Essensanmeldung ausfüllen ließ? Trotz der ohrenbetäubenden Hektik während der Raubtierfütterung hatte Werner Lang aber immer ein freundliches Wort für die Kinder, vor allem die Internatsschüler*innen, die er selbstverständlich ausnahmslos bei ihrem Namen kannte, auf Lager.

Werner Lang: Ein Mann, der in der Mitte seiner Berufslaufbahn auf der richtigen Position gelandet ist - so viel ist sicher. Ein Mann, der für die größten Veränderungen, die dieses Internat seit seinem Bestehen durchlaufen hat, verantwortlich zeichnet. Ein Mann, der seinen Beruf zur Berufung gemacht hat. Ein Mann, der die wichtigste Qualifikation für diesen Job in seiner DNA trägt. Denn trotz der vielen Sorgenfalten, die er den ständigen Herausforderungen des Internatsalltags zu verdanken hat, konnte man auf seiner Stirn immer groß und deutlich lesen: „Ich mag Kinder!“.

Wer Werner Lang in den letzten beiden Jahrzehnten erlebt hat, versteht die Bedeutung des Wortes Metamorphose. Von einem soliden Verwalter des bestehenden Systems entwickelte sich der Herr über Tages- und Vollinternat zusehends zu einem Visionär, der alles daransetzte, „sein“ Internat fit für das 21. Jahrhundert zu machen. Er verwirklichte Ideen, die seine Vorgänger niemals für möglich gehalten hätten.

 

Vor allem das Tagesinternat wurde von seinen verkrusteten Strukturen befreit und präsentierte sich nach mehreren Jahren des Umbaus in völlig neuem Gewand. Aus dem biederen Hort, in dem Schüler hauptsächlich angehalten waren, ihre Hausübungen zu erledigen und danach die Zeit bis zum Nachhausegehen mehr oder weniger lustlos totschlugen, wurde ein zeitgemäßer Ort der Begegnung. Ein Ort, an dem Kinder heute alle Möglichkeiten vorfinden, ihre Freizeit sinnvoll zu verbringen und ihre sozialen Bedürfnisse auszuleben. Die fast unbegrenzten Möglichkeiten, die der Campus der HIB Liebenau zu bieten hat, wurden effizient genützt. Die Schüler*innen können neben professioneller Lernbetreuung ein Freizeitangebot, das seinesgleichen sucht, in Anspruch zu nehmen. Die radikale Neuorganisation, die notwendig war, um dem Internat sein heutiges Gesicht zu geben, ist vor allem Werner Lang zu verdanken.

Auch das Vollinternat ist in den vergangenen Jahren aufgeblüht. Werner Lang hat den Erzieher*innen viel Verantwortung in die Hand gegeben und viele Veränderungen zugelassen, weil er offensichtlich der Meinung war, dass seine Mitarbeiter*innen am besten wüssten, welche Maßnahmen dem Internatsleben guttun. Führungsqualität bedeutet auch, Verantwortung delegieren zu können und manchmal auch Entscheidungen mitzutragen, die man selbst nicht getroffen hätte. In diesem Sinne hat es Werner Lang auch geschafft, das Beste aus seinen Mitarbeiter*innen herauszuholen und sie zu motivieren. Vertrauen und Dialog waren ihm immer wichtiger als Vorschriften und Kontrolle.

Wer hin und wieder Internatsluft schnuppert, weiß, dass diese Methode zielführend war. Das Internatsleben ist heute geprägt von gegenseitigem Respekt, Harmonie und einem gesunden Maß an Ordnung und Struktur. Das Vollinternat ist ein Ort, an dem Mädchen und Burschen, Sportler*innen, ausländische Gastschüler*innen, Kinder und junge Erwachsene gerne miteinander leben und eine Atmosphäre vorfinden, die es ihnen ermöglicht, sich entsprechend ihrer Interessen und Begabung zu entwickeln.

Werner Lang hat aber auch erkannt, dass ein Internat nicht nur von motivierten Betreuer*innen leben kann, sondern dass junge Menschen auch eine moderne und zeitgemäße Ausstattung brauchen, um sich entfalten zu können. Führt man heute ehemalige Schüler*innen bei Maturantentreffen durch Schule und Internat, sind sie stets beeindruckt davon, wie sich das Erscheinungsbild des Voll- ebenso wie des Tagesinternats verändert hat. Vieles davon konnte nur umgesetzt werden, weil Werner Lang unermüdlich für die Weiterentwicklung des Internats, das er gerne als Herzstück der HIB Liebenau bezeichnet, eingesetzt hat.

Listet man all diese Verdienste auf, fällt es ganz leicht, über die kleinen Marotten unseres ehemaligen Chefs hinwegzusehen. Vergessen sind die unzähligen Listen, mit denen man als Erzieher*in tagaus tagein konfrontiert wurde, vergeben sind alle Zettel, die ausgefüllt werden mussten, um kleinste Abweichungen vom normalen Internatsalltag zu dokumentieren. Dass Werner Lang, von einigen seiner Mitarbeiter*innen“ unter vorgehaltener Hand „Der Listenreiche“ genannt wurde, muss als „Vergeltung“ für diese „Schikanen“ genügen😉

Es war nicht zu übersehen, dass sich der Erziehungsleiter nur schweren Herzens von seinem langjährigen Wirkungsbereich trennen konnte. Die offensichtliche Sympathie und die Dankbarkeit all jener, mit denen er zu tun hatte, waren ihm hoffentlich ebenso ein Trost, wie die Gewissheit, dass er ein gut bestelltes Haus zurücklassen würde, um dessen Zukunft er sich keine Sorgen machen muss.

Ein kleiner Wermutstropfen war sicher das T-Shirt, das er auf Geheiß seiner Mitarbeiter*innen an seinem letzten Tag tragen musste. Es trug die passende Aufschrift „Eine Legende verlässt das Gelände“.

Danke, lieber Werner, dass du deine Mitarbeiter*innen und alle Schüler*innen immer respektvoll behandelt hast, dass du ihnen auf Augenhöhe begegnet bist und dass du das Beste in ihnen zum Vorschein gebracht hast. Genieße die ewigen Ferien!

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